Illustration: Kostenabrechnung mit Prozent-, Tausch- und Euro-Symbol unter einer Lupe als Sinnbild für Kosten beim Investieren

Kosten beim Investieren: TER, Spread und Ordergebühren verständlich erklärt

Wer sich mit Geldanlage beschäftigt, achtet meist zuerst auf mögliche Erträge. Die Kosten stehen dagegen selten im Mittelpunkt. Dabei gehören sie zu den wenigen Faktoren beim Investieren, die sich im Voraus kennen und vergleichen lassen. Die künftige Wertentwicklung einer Anlage ist ungewiss, ihre Kosten sind es weitgehend nicht.

Dieser Artikel erklärt die wichtigsten Kostenarten beim Investieren in Aktien, ETFs und Fonds: von der TER über den Spread bis zu Ordergebühren und Depotkosten. Er zeigt, wo Kosten entstehen, wie man sie erkennt und warum sie über lange Zeiträume so stark ins Gewicht fallen. Er enthält keine Empfehlung für bestimmte Produkte oder Anbieter.

Warum Kosten beim Investieren so wichtig sind

Jeder Euro, der für Kosten ausgegeben wird, steht nicht mehr für den Vermögensaufbau zur Verfügung. Das klingt selbstverständlich. Die eigentliche Wirkung zeigt sich jedoch erst über lange Zeiträume.

Kosten mindern nicht nur einmalig den angelegten Betrag. Sie mindern auch die Erträge, die dieser Betrag in Zukunft hätte erwirtschaften können. Damit wirken Kosten wie ein umgekehrter Zinseszinseffekt.

Rechenbeispiel: 10.000 Euro über 30 Jahre

  • 6 Prozent pro Jahr vor Kosten: rechnerisch rund 57.400 Euro
  • 5,5 Prozent pro Jahr nach 0,5 Prozent Kosten: rechnerisch rund 49.800 Euro
  • Unterschied: rund 7.600 Euro

Ein scheinbar kleiner Kostenunterschied von 0,5 Prozentpunkten pro Jahr macht in diesem Beispiel einen spürbaren Unterschied aus.

Die angenommene Wertentwicklung ist eine Rechengröße, keine Zusage. Das Prinzip gilt aber unabhängig von der konkreten Zahl.

Die zwei Grundarten von Kosten

Grundsätzlich lassen sich die Kosten beim Investieren in zwei Gruppen einteilen.

Laufende Kosten und Transaktionskosten

  • Laufende Kosten fallen regelmäßig an, solange man eine Anlage hält. Dazu gehören vor allem die Verwaltungskosten eines Fonds oder ETFs und gegebenenfalls Depotgebühren.
  • Transaktionskosten fallen bei jedem Kauf und Verkauf an. Dazu gehören Ordergebühren, Börsenentgelte und der Spread.

Wer langfristig anlegt und selten handelt, für den spielen vor allem die laufenden Kosten eine große Rolle. Wer häufig kauft und verkauft, bei dem summieren sich vor allem die Transaktionskosten.

TER: Die laufenden Kosten eines Fonds

Die TER steht für Total Expense Ratio, auf Deutsch Gesamtkostenquote. Sie gibt an, wie viel Prozent des Fondsvermögens pro Jahr für die Verwaltung des Fonds anfallen. In den Produktinformationen wird sie häufig auch als laufende Kosten bezeichnet.

Die TER wird nicht separat in Rechnung gestellt. Sie wird laufend direkt aus dem Fondsvermögen entnommen und ist daher bereits im Kurs des Fonds enthalten. Wer einen Fonds hält, sieht die TER nicht als einzelne Buchung, sie wirkt sich aber auf die Wertentwicklung aus.

Bei breit gestreuten ETFs liegt die TER häufig deutlich unter einem halben Prozent pro Jahr. Bei aktiv gemanagten Fonds, bei denen ein Fondsmanagement gezielt Wertpapiere auswählt, ist sie in der Regel höher, oft bei einem Prozent oder mehr.

Wichtig zu wissen: Die TER erfasst nicht alle Kosten eines Fonds. Transaktionskosten, die innerhalb des Fonds beim Kauf und Verkauf von Wertpapieren entstehen, sind darin zum Beispiel nicht enthalten.

Tracking Difference: Was am Ende wirklich zählt

Weil die TER nicht alle Kosten abbildet, wird bei ETFs zusätzlich eine weitere Kennzahl betrachtet: die Tracking Difference.

Die Tracking Difference beschreibt die tatsächliche Abweichung der Wertentwicklung eines ETFs von seinem Vergleichsindex über einen bestimmten Zeitraum. Sie berücksichtigt nicht nur die TER, sondern auch andere Kosten und Erträge, etwa aus der Wertpapierleihe oder steuerlichen Effekten innerhalb des Fonds.

Die Tracking Difference kann größer oder kleiner als die TER ausfallen. In manchen Fällen schneidet ein ETF sogar etwas besser ab als sein Index. Für die Beurteilung, wie gut ein ETF seinen Index nachbildet, gilt die Tracking Difference deshalb als aussagekräftiger als die TER allein.

Der Spread: Die unsichtbare Differenz

Der Spread ist eine Kostenart, die viele Einsteiger nicht kennen, weil sie auf keiner Abrechnung als eigener Posten erscheint.

Zwei Preise für jedes Wertpapier

  • Briefkurs: der Preis, zu dem man kaufen kann. Er liegt immer etwas über dem Geldkurs.
  • Geldkurs: der Preis, zu dem man verkaufen kann.
  • Spread: die Differenz zwischen beiden Preisen.

Wer ein Wertpapier kauft und sofort wieder verkauft, macht also selbst ohne jede Kursbewegung einen kleinen Verlust in Höhe des Spreads.

Die Höhe des Spreads hängt vor allem davon ab, wie viel mit einem Wertpapier gehandelt wird. Bei sehr häufig gehandelten Wertpapieren ist er meist gering. Bei selten gehandelten Wertpapieren, außerhalb der Haupthandelszeiten oder in Phasen hoher Marktschwankungen kann er deutlich größer ausfallen.

Der Spread spielt auch bei physischen Edelmetallen eine Rolle. Dort beschreibt er die Differenz zwischen dem Verkaufspreis des Händlers und seinem Ankaufspreis.

Ordergebühren und Börsenentgelte

Ordergebühren fallen bei jedem Kauf und Verkauf an. Sie werden von der Bank oder dem Broker berechnet und unterscheiden sich stark je nach Anbieter.

Manche Anbieter berechnen einen festen Betrag pro Order, andere einen prozentualen Anteil des Ordervolumens, häufig kombiniert mit einem Mindestbetrag. Neobroker haben die Ordergebühren in den vergangenen Jahren deutlich gesenkt, teilweise auf einen Euro oder weniger pro Order.

Hinzu kommen je nach Handelsplatz Börsenentgelte oder Fremdspesen. Das sind Gebühren, die der Handelsplatz selbst erhebt und die der Anbieter an den Kunden weitergibt.

Bei Sparplänen fallen häufig gesonderte Gebühren an, die oft niedriger sind als bei Einzelorders. Manche Anbieter bieten Sparpläne auf bestimmte ETFs ohne Ausführungsgebühr an.

Für Anleger, die mit kleinen Beträgen investieren, spielen feste Ordergebühren eine besonders große Rolle. Eine Gebühr von fünf Euro macht bei einer Order über 50 Euro bereits zehn Prozent aus, bei einer Order über 5.000 Euro dagegen nur 0,1 Prozent.

Depotgebühren und weitere Kosten

Neben den bisher genannten Kostenarten gibt es weitere Posten, die man kennen sollte.

Weitere Kostenposten

  • Depotgebühren: Manche Banken berechnen eine jährliche Gebühr für die Führung des Depots. Bei vielen Direktbanken und Neobrokern ist die Depotführung inzwischen kostenlos, bei klassischen Filialbanken fallen dagegen häufig Gebühren an.
  • Ausgabeaufschlag: Beim Kauf von aktiv gemanagten Fonds über eine Bank oder einen Vermittler wird häufig ein einmaliger Ausgabeaufschlag fällig, der mehrere Prozent des Anlagebetrags betragen kann. Bei ETFs, die über die Börse gehandelt werden, gibt es in der Regel keinen Ausgabeaufschlag.
  • Währungskosten: Wer Wertpapiere in Fremdwährungen handelt, kann zusätzliche Kosten für den Währungsumtausch haben.
  • Negativzinsen und Kontoführung: Auch das Verrechnungskonto, das zum Depot gehört, kann je nach Anbieter mit Kosten verbunden sein.

Wie man Kosten erkennt

In der Europäischen Union sind Anbieter verpflichtet, Kosten transparent offenzulegen. Für Fonds und ETFs gibt es dafür ein standardisiertes Dokument, das Basisinformationsblatt. Es enthält unter anderem Angaben zu den laufenden Kosten und Transaktionskosten.

Zusätzlich müssen Banken und Broker vor einer Order einen Kostenausweis zur Verfügung stellen und einmal jährlich eine Übersicht über die angefallenen Kosten liefern.

Wer Kosten vergleichen möchte, findet die wichtigsten Angaben also in den offiziellen Unterlagen des Produkts und im Preis- und Leistungsverzeichnis des Anbieters.

Was dieser Artikel nicht ist

Dieser Artikel erklärt die verschiedenen Kostenarten beim Investieren. Er empfiehlt keinen bestimmten Anbieter, Broker, Fonds oder ETF und bewertet keine konkreten Produkte.

Niedrige Kosten sind ein wichtiger Faktor, aber nicht der einzige. Ein günstiges Produkt ist nicht automatisch das passende Produkt. Welche Anlage zu einer bestimmten Situation passt, hängt von vielen weiteren Faktoren ab und ist eine individuelle Entscheidung. Steuerliche Kosten sind ausdrücklich nicht Gegenstand dieses Artikels.

Häufige Fragen zu den Kosten beim Investieren

Was bedeutet TER?

TER steht für Total Expense Ratio. Sie gibt an, wie viel Prozent des Fondsvermögens jährlich für die Verwaltung eines Fonds oder ETFs anfallen.

Muss ich die TER separat bezahlen?

Nein. Die TER wird direkt aus dem Fondsvermögen entnommen und ist bereits im Kurs enthalten.

Was ist der Spread?

Der Spread ist die Differenz zwischen dem Kaufpreis (Briefkurs) und dem Verkaufspreis (Geldkurs) eines Wertpapiers.

Was ist der Unterschied zwischen TER und Tracking Difference?

Die TER gibt die laufenden Verwaltungskosten an. Die Tracking Difference zeigt die tatsächliche Abweichung eines ETFs von seinem Index und berücksichtigt weitere Kosten und Erträge.

Wo finde ich die Kosten eines Fonds?

Im Basisinformationsblatt des Fonds sowie im Kostenausweis und im Preisverzeichnis der Bank oder des Brokers.

Was du mit diesem Wissen anfangen kannst

Du kennst jetzt die wichtigsten Kostenarten beim Investieren: TER, Tracking Difference, Spread, Ordergebühren, Depotgebühren und Ausgabeaufschlag. Du weißt, wo Kosten entstehen, wo man sie findet und warum schon kleine Unterschiede über lange Zeiträume einen großen Effekt haben.

Wie du die Kosten deines eigenen Depots verstehst und Kostenausweise richtig liest, besprechen wir im Coaching bei Investment Starter.

Mehr zu Aktien und ETFs bei Investment Starter: investment-starter.de/aktien-etfs

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Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informations- und Bildungszwecken. Er stellt keine Anlageberatung dar und enthält keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung für Finanzprodukte, Wertpapiere oder Anbieter. Die verwendeten Rechenbeispiele sind vereinfacht und dienen nur der Veranschaulichung. Investment Starter bietet Schulung und Coaching an, keine Beratung nach § 34f GewO.