Dividenden einfach erklärt: Was sie sind und wie Ausschüttungen funktionieren

Wer sich mit Aktien und ETFs beschäftigt, begegnet dem Begriff Dividende früh. Er klingt nach passivem Einkommen und regelmäßigen Auszahlungen. Das stimmt grundsätzlich, aber nur zum Teil. Dividenden haben Eigenschaften, die nicht immer vollständig verstanden werden.

Dieser Artikel erklärt, was Dividenden sind, warum Unternehmen sie zahlen, wie der Unterschied zwischen ausschüttenden und thesaurierenden Fonds funktioniert und welche steuerlichen Grundregeln in Deutschland gelten.

WAS DIVIDENDEN SIND

Eine Dividende ist eine Gewinnausschüttung, die ein Unternehmen an seine Aktionäre zahlt. Sie ist kein Geschenk und keine Verzinsung. Sie ist eine Weitergabe von Unternehmensgewinn an die Miteigentümer.

Wenn ein Unternehmen in einem Jahr einen Gewinn erwirtschaftet, hat der Vorstand und die Hauptversammlung die Möglichkeit zu entscheiden, einen Teil dieses Gewinns auszuschütten. Der ausgeschüttete Betrag pro Aktie ist die Dividende.

Ein Beispiel: Ein Unternehmen beschließt, eine Dividende von 2,00 Euro pro Aktie zu zahlen. Wer 100 Aktien hält, erhält 200 Euro brutto ausgezahlt.

Dividenden werden in Deutschland in der Regel einmal jährlich gezahlt. In anderen Ländern, insbesondere in den USA, sind quartalsweise Ausschüttungen üblich.

WARUM UNTERNEHMEN DIVIDENDEN ZAHLEN

Nicht alle Unternehmen zahlen Dividenden. Die Entscheidung hängt von der Strategie und der Reife des Unternehmens ab.

Etablierte, profitabel wirtschaftende Unternehmen mit stabilen Cashflows zahlen häufig Dividenden. Sie haben weniger Bedarf, jeden verdienten Euro zu reinvestieren, und können einen Teil an ihre Aktionäre weitergeben.

Wachstumsunternehmen zahlen häufig keine oder sehr geringe Dividenden. Sie reinvestieren ihren Gewinn lieber in Forschung, Expansion oder Neuprodukte, um schneller zu wachsen.

Dividenden sind auch ein Signal. Ein Unternehmen, das seine Dividende über viele Jahre stabil hält oder steigert, zeigt damit, dass es regelmäßig ausreichend Gewinn erwirtschaftet.

WICHTIG: DIVIDENDEN REDUZIEREN DEN KURS

Das ist ein Zusammenhang, der häufig übersehen wird.

Am Tag nach der Hauptversammlung, dem sogenannten Ex-Dividende-Tag, sinkt der Aktienkurs in der Regel um den Betrag der ausgezahlten Dividende. Das bedeutet: Wer vor der Ausschüttung 100 Euro pro Aktie hält und danach 2,00 Euro Dividende erhält, hat anschließend typischerweise eine Aktie im Wert von rund 98 Euro plus 2,00 Euro auf dem Konto.

Die Dividende ist kein zusätzlicher Gewinn, der aus dem Nichts entsteht. Sie ist eine Umwandlung von Unternehmenssubstanz in liquidem Kapital. Das Gesamtvermögen des Aktionärs verändert sich durch die Ausschüttung allein nicht.

AUSSCHÜTTEND ODER THESAURIEREND

Wer nicht in Einzelaktien, sondern in Fonds oder ETFs investiert, begegnet dieser Unterscheidung regelmäßig.

Ausschüttend: Ein ausschüttender Fonds zahlt erhaltene Dividenden und Zinsen aus dem Fondsvermögen regelmäßig an die Anleger aus. Das Geld wird auf dem Konto gutgeschrieben und steht zur freien Verfügung.

Thesaurierend: Ein thesaurierender Fonds schüttet die Dividenden nicht aus, sondern reinvestiert sie automatisch im Fondsvermögen. Der Fondsanteil steigt damit im Wert, aber es gibt keine Barauszahlung.

Welche Variante sinnvoller ist, hängt von der Situation ab. Wer regelmäßige Einnahmen möchte, kann einen ausschüttenden Fonds bevorzugen. Wer langfristig Kapital aufbaut und auf laufende Ausschüttungen verzichten kann, profitiert beim thesaurierenden Fonds vom Zinseszinseffekt, weil auch die reinvestierten Dividenden weiter für Rendite arbeiten.

DIVIDENDENRENDITE: WAS SIE AUSSAGT UND WAS NICHT

Die Dividendenrendite gibt an, wie hoch die Dividende im Verhältnis zum aktuellen Aktienkurs ist.

Formel: Dividende pro Aktie geteilt durch aktueller Kurs mal hundert.

Eine hohe Dividendenrendite klingt zunächst attraktiv. Sie kann aber auch ein Warnsignal sein. Wenn der Aktienkurs stark gefallen ist, steigt die Dividendenrendite rechnerisch, auch wenn das Unternehmen Schwierigkeiten hat. Eine hohe Dividendenrendite allein ist kein Qualitätsmerkmal.

Ebenso wichtig: Dividenden sind nicht garantiert. Ein Unternehmen kann seine Dividende kürzen oder ganz streichen, wenn die Gewinne einbrechen oder das Kapital anderweitig benötigt wird. Das ist in wirtschaftlich schwierigen Phasen keine Seltenheit.

STEUERLICHE GRUNDREGELN FÜR DIVIDENDEN

In Deutschland werden Dividenden als Kapitalertrag besteuert. Die Abgeltungssteuer beträgt 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer.

Freistellungsauftrag: Kapitalerträge bis zu einem Sparer-Pauschbetrag von 1.000 Euro pro Person (bzw. 2.000 Euro für Ehepaare) sind steuerfrei. Dafür muss ein Freistellungsauftrag bei der depotführenden Bank oder dem Broker eingerichtet werden.

Für thesaurierende Fonds gilt seit 2018 die Vorabpauschale. Dabei wird auch ohne tatsächliche Ausschüttung ein fiktiver Ertrag steuerlich angesetzt, wenn der Fonds in einem Jahr eine positive Wertentwicklung hatte. Die Vorabpauschale ist komplex und hängt vom Basiszins ab.

Für individuelle steuerliche Fragen ist ein Steuerberater zuständig.

WAS DU MIT DIESEM WISSEN ANFANGEN KANNST

Du weißt jetzt, was Dividenden sind, warum Unternehmen sie zahlen, wie der Unterschied zwischen ausschüttend und thesaurierend funktioniert und welche steuerlichen Grundregeln gelten.

Wie Dividenden in eine persönliche Anlagestrategie eingebettet werden und was bei der Auswahl von Fonds zu beachten ist, besprechen wir im Coaching bei Investment Starter.

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Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informations- und Bildungszwecken. Er stellt keine Anlageberatung dar und enthält keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung für Aktien, ETFs oder andere Wertpapiere. Investment Starter bietet Schulung und Coaching an, keine Beratung nach § 34f GewO.