Illustration: Balkenwaage mit einem Goldbarren auf der einen und mehreren Silberbarren auf der anderen Seite

Silber als Geldanlage: Was es von Gold unterscheidet

Wenn es um Edelmetalle als Geldanlage geht, steht meist Gold im Mittelpunkt. Silber wird dagegen oft als kleiner Bruder des Goldes bezeichnet. Diese Bezeichnung ist naheliegend, denn beide Metalle haben eine lange Geschichte als Zahlungsmittel und Wertaufbewahrung. Sie greift aber zu kurz. Silber unterscheidet sich in mehreren wichtigen Punkten deutlich von Gold.

Dieser Artikel erklärt Silber als Geldanlage: was Silber besonders macht, worin es sich von Gold unterscheidet, welche Formen es gibt und welche Besonderheiten bei Kauf und Lagerung bestehen. Er enthält keine Empfehlung und keine Kaufberatung.

Silber als Geldanlage: Eine kurze Einordnung

Silber wird seit Jahrtausenden als Zahlungsmittel verwendet. In vielen Sprachen ist das Wort für Silber sogar gleichbedeutend mit Geld, etwa im Französischen. Über lange Zeiträume waren Münzen aus Silber das alltägliche Zahlungsmittel, während Gold für größere Beträge diente.

Heute ist Silber kein offizielles Zahlungsmittel mehr. Es wird aber weiterhin als Sachwert gehandelt und von manchen Anlegern als Baustein neben Gold betrachtet. Wie bei Gold gilt auch bei Silber: Es zahlt keine Zinsen und keine Dividenden. Ein Ertrag entsteht nur, wenn der Preis steigt.

Der größte Unterschied: Silber ist auch ein Industriemetall

Der wichtigste Unterschied zwischen Silber und Gold liegt in der Nachfrage.

Gold wird überwiegend für Schmuck, als Anlage und von Zentralbanken als Reserve nachgefragt. Die industrielle Nutzung spielt nur eine untergeordnete Rolle.

Bei Silber ist das anders. Ein großer Teil der weltweiten Silbernachfrage stammt aus der Industrie. Silber hat die höchste elektrische und thermische Leitfähigkeit aller Metalle und wird deshalb in vielen Bereichen eingesetzt: in der Elektronik, in Photovoltaikanlagen, in der Medizintechnik und in zahlreichen weiteren Anwendungen.

Diese Doppelrolle hat Folgen. Der Silberpreis hängt nicht nur von der Nachfrage nach Wertaufbewahrung ab, sondern auch von der wirtschaftlichen Entwicklung. In Phasen starken Wirtschaftswachstums kann die industrielle Nachfrage steigen. In Phasen wirtschaftlicher Abschwächung kann sie sinken. Silber verhält sich deshalb in manchen Phasen eher wie ein Rohstoff als wie ein reiner Wertspeicher.

Warum Silber stärker schwankt als Gold

Silber gilt als deutlich schwankungsanfälliger als Gold. Dafür gibt es mehrere Gründe.

Drei Gründe für die höhere Schwankung

  • Kleinerer Markt: Der Silbermarkt ist gemessen am Handelswert erheblich kleiner als der Goldmarkt. In kleineren Märkten können Käufe und Verkäufe größerer Akteure stärkere Preisbewegungen auslösen.
  • Abhängigkeit von der Konjunktur: Durch die hohe industrielle Nachfrage reagiert Silber stärker auf wirtschaftliche Erwartungen als Gold.
  • Doppelte Einflussfaktoren: Silber wird sowohl von Faktoren beeinflusst, die Edelmetalle allgemein bewegen, etwa Zinsen oder Unsicherheit, als auch von Faktoren, die Industriemetalle bewegen.

Historisch hat Silber in Phasen steigender Edelmetallpreise teilweise stärker zugelegt als Gold, in Phasen fallender Preise aber auch stärker verloren. Diese höhere Volatilität ist ein wesentliches Merkmal von Silber als Geldanlage und sollte bekannt sein.

Die Gold-Silber-Ratio

Im Zusammenhang mit Silber als Geldanlage fällt häufig der Begriff Gold-Silber-Ratio. Sie gibt an, wie viele Unzen Silber man für eine Unze Gold bekommt.

Liegt die Ratio zum Beispiel bei 80, entspricht der Preis einer Unze Gold dem Preis von 80 Unzen Silber. Die Ratio ist über die Geschichte hinweg stark geschwankt und lag in den vergangenen Jahrzehnten häufig in einem Bereich zwischen etwa 40 und über 100.

Manche Marktbeobachter nutzen die Gold-Silber-Ratio, um das Preisverhältnis beider Metalle einzuordnen. Wichtig ist: Die Ratio beschreibt ein historisches Verhältnis. Sie sagt nicht voraus, wie sich die Preise entwickeln werden, und es gibt keinen festen Wert, zu dem sie zwingend zurückkehren müsste.

Münzen und Barren: Die Formen von Anlagesilber

Wie Gold ist auch Silber als Geldanlage hauptsächlich in zwei physischen Formen erhältlich.

Zwei physische Formen

  • Silbermünzen: Bekannte Anlagemünzen sind etwa der Maple Leaf aus Kanada, der Wiener Philharmoniker aus Österreich, der American Eagle aus den USA oder der Krügerrand aus Südafrika, die jeweils auch in Silber ausgegeben werden. Sie sind weltweit bekannt und leicht handelbar.
  • Silberbarren: Barren gibt es in verschiedenen Größen, von kleinen Einheiten bis zu mehreren Kilogramm. Größere Barren haben in der Regel einen geringeren Aufpreis pro Unze.

Neben physischem Silber gibt es auch Wertpapiere, die die Wertentwicklung von Silber abbilden, etwa börsengehandelte Rohstoffprodukte. Diese funktionieren anders als physisches Metall und haben eigene Eigenschaften und Risiken.

Ein wichtiger Unterschied zu Gold: Die Mehrwertsteuer

Ein für viele überraschender Unterschied betrifft den Kauf. Physisches Anlagegold ist in Deutschland unter bestimmten Voraussetzungen von der Mehrwertsteuer befreit. Für Silber gilt diese Befreiung nicht.

Beim Kauf von Silberbarren fällt in Deutschland in der Regel die volle Mehrwertsteuer an. Bei bestimmten Silbermünzen wenden Händler teilweise die sogenannte Differenzbesteuerung an, bei der die Steuer nur auf einen Teil des Preises anfällt. Die genaue Ausgestaltung hängt von der Herkunft der Münzen und vom Händler ab.

Praktische Konsequenz

Der Silberpreis muss nach dem Kauf zunächst um einen spürbaren Betrag steigen, nur um die beim Kauf gezahlte Mehrwertsteuer und den Händleraufschlag auszugleichen. Beim Verkauf an einen Händler erhält man in der Regel den Ankaufspreis ohne Mehrwertsteuer.

Lagerung: Silber braucht mehr Platz

Ein weiterer praktischer Unterschied ergibt sich aus dem Preis. Silber ist pro Gramm deutlich günstiger als Gold. Für denselben Geldbetrag erhält man daher ein Vielfaches an Gewicht und Volumen.

Was beim Kauf zunächst greifbar wirkt, hat Folgen für die Lagerung. Ein Betrag, der in Gold in eine kleine Schachtel passt, kann in Silber einen ganzen Karton füllen und erhebliches Gewicht haben. Schließfächer, Tresore und Einlagerungsangebote sind entsprechend schneller ausgelastet, und die Kosten für Lagerung und Versicherung können im Verhältnis zum Wert höher ausfallen.

Silber kann außerdem anlaufen, also an der Oberfläche oxidieren. Das verändert den Materialwert nicht, kann aber die Optik von Münzen beeinträchtigen.

Spreads: Der Unterschied zwischen Kauf- und Verkaufspreis

Bei Edelmetallhändlern gibt es immer einen Unterschied zwischen dem Preis, zu dem man kauft, und dem Preis, zu dem der Händler wieder ankauft. Dieser Unterschied heißt Spread.

Bei Silber fällt dieser Spread im Verhältnis zum Metallwert häufig höher aus als bei Gold. Gründe sind der höhere Aufwand für Prägung, Transport und Lagerung im Verhältnis zum Wert sowie die steuerlichen Unterschiede. Wer Silber kauft und kurz darauf wieder verkauft, muss daher mit einem spürbaren Abschlag rechnen.

Was dieser Artikel nicht ist

Dieser Artikel erklärt, was Silber als Geldanlage ausmacht und worin es sich von Gold unterscheidet. Er sagt nicht, ob Silber oder Gold die bessere Wahl ist, ob ein Kauf sinnvoll ist oder welcher Anteil am Vermögen angemessen wäre. Er enthält keine Preisprognose.

Steuerliche Fragen beim Verkauf von Silber und die individuelle Anwendung der Mehrwertsteuerregeln sind nicht Gegenstand dieses Artikels. Dafür ist ein Steuerberater zuständig.

Häufige Fragen zu Silber als Geldanlage

Was ist der wichtigste Unterschied zwischen Silber und Gold?

Silber wird zu einem großen Teil in der Industrie verwendet. Sein Preis hängt dadurch stärker von der wirtschaftlichen Entwicklung ab als der Goldpreis.

Ist Silber mehrwertsteuerfrei wie Gold?

Nein. Anders als Anlagegold ist Silber in Deutschland nicht von der Mehrwertsteuer befreit. Bei bestimmten Münzen wird teilweise die Differenzbesteuerung angewendet.

Warum schwankt Silber stärker als Gold?

Der Silbermarkt ist kleiner, und die Nachfrage hängt stärker von der Konjunktur ab. Beides führt zu stärkeren Preisbewegungen.

Was bedeutet die Gold-Silber-Ratio?

Sie gibt an, wie viele Unzen Silber dem Preis einer Unze Gold entsprechen. Sie beschreibt ein Preisverhältnis, keine Prognose.

Was du mit diesem Wissen anfangen kannst

Du weißt jetzt, was Silber als Geldanlage auszeichnet: die starke industrielle Nachfrage, die höhere Schwankungsanfälligkeit, die Gold-Silber-Ratio, die Unterschiede bei der Mehrwertsteuer und die praktischen Besonderheiten bei Lagerung und Spreads.

Wenn du verstehen möchtest, wie Edelmetalle funktionieren und welche Fragen du dir vor einem Kauf stellen solltest, begleiten wir dich bei Investment Starter in Essen persönlich.

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Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informations- und Bildungszwecken. Er stellt keine Anlage- oder Steuerberatung dar und enthält keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung für Silber, Gold oder andere Anlagen. Investment Starter bietet Schulung und Coaching an, keine Beratung nach § 34f GewO.