Kaum ein wirtschaftlicher Begriff begegnet den Menschen so unmittelbar im Alltag wie die Inflation. Der Einkauf im Supermarkt, die Energierechnung, die Miete: Wenn die Preise steigen, spürt das jeder direkt. Was dabei oft unklar bleibt, ist die Frage, was Inflation eigentlich ist, wie sie entsteht und warum sie für Sparer eine so große Rolle spielt.
Dieser Artikel erklärt Inflation von Grund auf, verständlich und ohne wirtschaftswissenschaftlichen Fachjargon. Er enthält keine Empfehlung und keine Kaufberatung.
Was Inflation ist
Inflation bezeichnet den allgemeinen Anstieg des Preisniveaus über die Zeit. Wenn die Preise für Waren und Dienstleistungen im Durchschnitt steigen, spricht man von Inflation.
Die Kehrseite dieses Preisanstiegs ist ein Verlust an Kaufkraft. Kaufkraft beschreibt, wie viel man für einen bestimmten Geldbetrag tatsächlich bekommt. Wenn die Preise steigen, bekommt man für denselben Betrag weniger. Das Geld ist nominal gleich viel, real aber weniger wert.
Ein Beispiel
Wer heute 100 Euro hat und die Preise steigen in einem Jahr um durchschnittlich 3 Prozent, der kann im nächsten Jahr mit diesen 100 Euro nur noch das kaufen, was heute rund 97 Euro entspricht. Das Geld hat an Wert verloren, obwohl der Betrag auf dem Konto unverändert geblieben ist.
Gemessen wird die Inflation über einen Warenkorb. Das ist eine zusammengestellte Auswahl typischer Güter und Dienstleistungen, deren Preise regelmäßig erfasst werden. Die Veränderung dieses Warenkorbs ergibt die Inflationsrate.
Wie Inflation entsteht
Für das Entstehen von Inflation gibt es mehrere mögliche Ursachen. In der Praxis wirken sie oft zusammen.
Drei Ursachen
- Nachfrageseitige Inflation: Wenn die Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen schneller wächst als das Angebot, steigen die Preise. Das kann etwa geschehen, wenn viele Menschen gleichzeitig mehr Geld ausgeben wollen, als produziert werden kann.
- Angebotsseitige Inflation: Wenn die Produktion teurer wird, etwa durch steigende Energie- oder Rohstoffpreise, geben Unternehmen diese Kosten häufig über höhere Preise weiter. Auch Lieferengpässe können Preise treiben.
- Geldmengenbezogene Inflation: Wenn die im Umlauf befindliche Geldmenge stark ausgeweitet wird, ohne dass gleichzeitig mehr Waren und Dienstleistungen entstehen, kann dies langfristig zu steigenden Preisen führen. Mehr Geld steht dann einer unveränderten Menge an Gütern gegenüber.
Ein gewisses Maß an Inflation gilt in modernen Volkswirtschaften als normal und sogar als erwünscht. Die Europäische Zentralbank strebt für den Euroraum mittelfristig eine Inflationsrate von rund zwei Prozent an, weil eine leichte, stabile Inflation als Zeichen einer gesunden Wirtschaft gilt. Problematisch wird es bei sehr hoher oder sehr schwankender Inflation.
Warum Inflation Sparguthaben besonders betrifft
Der entscheidende Punkt für jeden, der Geld zurücklegt: Inflation wirkt still. Sie taucht auf keinem Kontoauszug als Abzug auf. Und doch verringert sie den realen Wert von Guthaben Jahr für Jahr.
Wer Geld auf einem Konto hält, das keine oder nur eine sehr geringe Verzinsung bietet, verliert bei positiver Inflation real an Vermögen. Der Betrag bleibt gleich, aber seine Kaufkraft sinkt.
Rechenbeispiel: 3 Prozent Inflation
Bei einer durchschnittlichen jährlichen Inflation von 3 Prozent verliert ein unverzinstes Guthaben nach etwa 24 Jahren rund die Hälfte seiner Kaufkraft. Aus 10.000 Euro wird nominal weiterhin 10.000 Euro, real aber nur noch das, was heute etwa 5.000 Euro entspricht.
Dieser Effekt ist das Gegenstück zum Zinseszins. Während der Zinseszins Kapital über die Zeit wachsen lässt, lässt die Inflation die Kaufkraft über die Zeit schrumpfen. Beide wirken exponentiell und werden über lange Zeiträume erheblich.
Der Unterschied zwischen nominaler und realer Rendite
Aus der Wirkung der Inflation ergibt sich eine wichtige Unterscheidung, die man kennen sollte: die zwischen nominaler und realer Rendite.
Nominal und real
- Nominale Rendite: der reine Zuwachs in Zahlen. Wer 100 Euro anlegt und am Ende 104 Euro hat, hat eine nominale Rendite von 4 Prozent.
- Reale Rendite: berücksichtigt zusätzlich die Inflation. Beträgt die Inflation im selben Zeitraum 3 Prozent, dann ist die reale Rendite nur rund 1 Prozent. Denn von den 4 Prozent Zuwachs wird der Kaufkraftverlust von 3 Prozent abgezogen.
Diese Unterscheidung ist zentral. Eine Anlage, die nominal wächst, aber weniger als die Inflationsrate erzielt, verliert real an Wert. Wer den realen Erhalt oder das reale Wachstum seines Vermögens betrachten will, muss die Inflation immer mitdenken.
Welche Überlegungen sich daraus ergeben
Aus dem Zusammenspiel von Inflation und Kaufkraft lassen sich einige allgemeine Überlegungen ableiten. Sie sind keine Empfehlung, sondern Denkanstöße.
Erstens: Sicherheit ist nicht dasselbe wie Werterhalt. Ein Guthaben auf einem Konto ist nominal sicher, es schwankt nicht. Real kann es dennoch kontinuierlich an Wert verlieren, wenn die Verzinsung unter der Inflation liegt. Die gefühlte Sicherheit eines Kontos und der tatsächliche Erhalt der Kaufkraft sind zwei verschiedene Dinge.
Zweitens: In der Diskussion um Geldanlage wird häufig die Frage gestellt, welche Anlageklassen historisch dazu beigetragen haben, Kaufkraft langfristig zu erhalten. Sachwerte wie Aktien, Immobilien oder Gold werden in diesem Zusammenhang oft genannt, weil ihr Wert nicht direkt an den Nennwert einer Währung gebunden ist. Das ist jedoch kein Automatismus und keine Garantie. Alle diese Anlagen unterliegen eigenen Risiken und Schwankungen.
Drittens: Die persönliche Inflationsrate kann von der offiziellen abweichen. Wer einen großen Teil seines Einkommens für Bereiche ausgibt, die stärker als der Durchschnitt im Preis steigen, spürt einen höheren Kaufkraftverlust, als die allgemeine Zahl vermuten lässt.
Wie diese Überlegungen auf eine individuelle Situation anzuwenden sind, hängt von persönlichen Zielen, dem Zeithorizont und der Risikobereitschaft ab.
Was du mit diesem Wissen anfangen kannst
Du verstehst jetzt, was Inflation ist, wie sie entsteht, warum sie Sparguthaben still entwertet und warum der Unterschied zwischen nominaler und realer Rendite so wichtig ist.
Dieses Verständnis ist die Grundlage, um Geldanlage überhaupt sinnvoll beurteilen zu können. Denn die entscheidende Frage ist nicht allein, ob ein Vermögen in Zahlen wächst, sondern ob es real seine Kaufkraft behält. Wie du das für deine Situation einordnen kannst, besprechen wir im Coaching bei Investment Starter.
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